Internetkriminalität: So schützen Sie sich vor den häufigsten Betrugsmaschen

Eine SMS von der Bank, ein Anruf von einem angeblichen Microsoft-Mitarbeiter, eine WhatsApp-Nachricht von der Tochter mit neuer Nummer: Betrugsversuche im Internet wirken heute oft täuschend echt. Die gute Nachricht: Die meisten Maschen folgen erkennbaren Mustern. Dieser Ratgeber zeigt die fünf häufigsten Betrugsformen, wie Sie sie erkennen und was Sie tun, wenn es bereits passiert ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Phishing, Enkeltrick per WhatsApp, Fake-Shops, Support-Scams und Love-Scams zählen aktuell zu den häufigsten Betrugsmaschen im Internet.
  • Jede Masche folgt einem erkennbaren Muster. Mit den richtigen Anzeichen erkennen Sie Betrug frühzeitig.
  • Ein gesundes Misstrauen bei Geldforderungen und ungewöhnlichen Nachrichten schützt in den meisten Fällen zuverlässig.
  • Sind Sie bereits betroffen, helfen Bank, Polizei und Verbraucherzentrale schnell und kostenlos weiter.
  • Betrug im Internet trifft Menschen jeden Alters und jeden Bildungsstands. Scham ist hier fehl am Platz.

Warum das Thema wichtig bleibt

Laut dem Bundeslagebild Cybercrime 2025 des Bundeskriminalamts (BKA) wurden bundesweit rund 335.000 Fälle von Cybercrime registriert, mit weiter steigender Tendenz. Der geschätzte Schaden für die deutsche Wirtschaft liegt bei über 200 Milliarden Euro. Diese Summe betrifft vor allem Unternehmen, nicht einzelne Privatpersonen. Für Privatleute zählen vor allem Phishing, Betrug beim Online-Einkauf und Enkeltrick-Varianten zu den häufigsten Fällen. Ein großer Teil der Betrugsversuche wird zudem nie angezeigt. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen als jede Statistik zeigt.

Die fünf häufigsten Betrugsmaschen

Die folgenden fünf Maschen kommen aktuell am häufigsten vor. Zu jeder Masche finden Sie, woran Sie sie erkennen und wie Sie richtig reagieren.

Phishing über gefälschte Bank- und Paket-Nachrichten

Phishing (vom englischen „fishing“, zu Deutsch etwa „nach Daten angeln“) bezeichnet gefälschte E-Mails, SMS oder Anrufe, die sich als Bank, Paketdienst oder Behörde ausgeben. Ziel ist, dass Sie auf einen Link klicken und dort Ihre Zugangsdaten oder eine TAN (eine einmalig gültige Bestätigungsnummer für Online-Überweisungen) eingeben. Sogenanntes Smishing (Phishing per SMS) macht laut Sicherheitsanbietern inzwischen einen erheblichen Teil aller Betrugsversuche aus, oft getarnt als Paketankündigung von DHL, Hermes oder DPD.

So erkennen Sie es: Die Nachricht drängt zur Eile und enthält einen Link. Sie sollen dort Zugangsdaten, eine TAN oder Kartendaten eingeben. Die Absenderadresse weicht bei genauem Hinsehen leicht vom echten Absender ab, etwa durch einen zusätzlichen Buchstaben oder eine ungewöhnliche Endung.

So reagieren Sie richtig: Klicken Sie nicht auf den Link. Rufen Sie Ihre Bank oder den Paketdienst stattdessen über die bekannte, offizielle Telefonnummer an und fragen Sie dort nach. Löschen Sie die Nachricht anschließend.

Gut zu wissen

Ein Passwort-Manager (ein Programm, das Ihre Kennwörter sicher speichert und beim Anmelden automatisch einträgt) erkennt gefälschte Internetseiten oft von selbst: Er trägt Ihre Zugangsdaten nur auf der echten, gespeicherten Adresse ein, nicht auf einer täuschend ähnlichen Fälschung. Welches Programm sich eignet, zeigt unser Ratgeber Bester Passwort-Manager.

Enkeltrick 2.0: Betrug per WhatsApp mit „neuer Nummer“

Der klassische Enkeltrick per Telefonanruf hat einen digitalen Ableger bekommen. Bei dieser Variante schreibt eine unbekannte Nummer per WhatsApp oder SMS: angeblich ein eigenes Kind mit neuer Handynummer, weil das alte Gerät kaputt oder verloren sei. Kurz darauf folgt eine Bitte um Geld, oft für eine dringende Rechnung. Laut Verbraucherzentrale ist dieses Muster inzwischen bundesweit verbreitet; in einzelnen Regionen überweist nach Behördenangaben jede fünfte kontaktierte Person tatsächlich Geld.

So erkennen Sie es: Die Nachricht behauptet eine neue Telefonnummer. Kurz darauf folgt eine Bitte um Geld oder um schnelle Hilfe bei einer angeblichen Notlage.

So reagieren Sie richtig: Antworten Sie nicht mit persönlichen Informationen auf die neue Nummer. Rufen Sie die Person stattdessen unter der alten, bekannten Nummer an und fragen Sie nach. Speichern Sie eine angebliche neue Nummer erst, wenn Sie das Familienmitglied auf diesem Weg wirklich erreicht haben.

Wie WhatsApp grundsätzlich funktioniert und wie Sie es sicher einrichten, zeigt unsere Anleitung WhatsApp einrichten: Schritt für Schritt erklärt.

Fake-Shops: verlockende Angebote, die nie ankommen

Fake-Shops sind Internet-Shops, die Waren zu auffällig günstigen Preisen anbieten, aber nie liefern. Bei den Verbraucherzentralen gingen 2025 rund 10.000 Beschwerden zu solchen Shops ein. Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale ist das nur ein Bruchteil der tatsächlichen Fälle. Der kostenlose Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentrale entdeckt monatlich rund 1.800 neue betrügerische Shops.

So erkennen Sie es: Der Preis liegt deutlich unter dem üblichen Marktniveau. Als Zahlungsart steht am Ende nur noch Vorkasse per Überweisung zur Verfügung. Ein Impressum fehlt völlig oder ist lückenhaft, ebenso eine Datenschutzerklärung mit Cookie-Hinweis. Was Cookies (kleine Textdateien, die eine Webseite in Ihrem Browser speichert) überhaupt sind, erklären wir in unserem Artikel Was sind Cookies?

So reagieren Sie richtig: Prüfen Sie die Internetadresse vorab kostenlos im Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentrale. Bestellen Sie bei Zweifeln nicht. Haben Sie bereits per Kreditkarte bezahlt, fragen Sie Ihre Bank nach einer Rückbuchung (Chargeback).

Support-Scams: angebliche Anrufe von Microsoft oder dem Computer-Notdienst

Bei dieser Masche ruft angeblich ein Mitarbeiter von Microsoft oder einem anderen bekannten Unternehmen an. Er behauptet, Ihr Computer sei mit einem Virus infiziert, und bietet sofortige Hilfe an. Microsoft und andere seriöse Hersteller rufen jedoch nach eigenen Angaben grundsätzlich nicht unaufgefordert an, um ein Gerät zu reparieren.

So erkennen Sie es: Der Anruf kommt unerwartet und behauptet, Ihr Gerät sei infiziert. Der Anrufer drängt auf sofortigen Fernzugriff auf Ihren Computer oder auf eine Zahlung.

So reagieren Sie richtig: Legen Sie sofort auf! Geben Sie niemals Fernzugriff auf Ihr Gerät frei und zahlen Sie nichts. Haben Sie bereits ein Programm installiert oder Zugriff gewährt, trennen Sie das Gerät vom Internet und lassen Sie es von einer Fachperson prüfen.

Wichtig

Geben Sie niemals über ein Fernwartungsprogramm die Kontrolle über Ihren Computer an einen unaufgeforderten Anrufer weiter, unabhängig davon, welche Firma er nennt.

Love-Scams: Betrug mit vorgetäuschten Gefühlen

Bei Love-Scams (auch Romance Scams genannt) bauen Kriminelle über Wochen oder Monate eine vermeintliche Liebesbeziehung auf, meist über Dating-Plattformen oder soziale Netzwerke. Nach einiger Zeit folgt eine Geschichte über eine finanzielle Notlage und die Bitte um Geld. Betroffen sind Menschen jeden Alters; laut einer Auswertung des Weisser Ring Magazins liegt der Schwerpunkt bei Personen zwischen 40 und 69 Jahren. Allein in Berlin wurden 2025 rund 560 Fälle mit einem Gesamtschaden von etwa 5,7 Millionen Euro erfasst (eine Landesstatistik, die einen Eindruck von der Größenordnung gibt).

So erkennen Sie es: Die Person vermeidet Videotelefonate oder ein persönliches Treffen und behauptet meist, im Ausland zu arbeiten. Nach kurzer, intensiver Kontaktzeit bittet sie um Geld.

So reagieren Sie richtig: Überweisen Sie kein Geld an eine Person, die Sie nie persönlich getroffen haben. Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson darüber, bevor Sie handeln. Kein Grund zur Scham, falls Sie selbst in die Falle getappt sind. Die Maschen sind professionell aufgebaut und täuschen Menschen jeden Alters.

Was tun, wenn es bereits passiert ist

Ist bereits Geld überwiesen oder ein Konto betroffen, zählt jetzt vor allem eines: schnell und in der richtigen Reihenfolge handeln.

1

Bank sofort informieren

Lassen Sie Konto oder Karte umgehend sperren. Der bundesweite Sperr-Notruf 116 116 nimmt solche Meldungen rund um die Uhr entgegen, auch außerhalb der Geschäftszeiten Ihrer Bank.

2

Anzeige bei der Polizei erstatten

Erstatten Sie Anzeige, entweder direkt bei einer Polizeidienststelle vor Ort oder online über die Onlinewache Ihres Bundeslandes. Sichern Sie vorab Screenshots von Nachrichten, E-Mails oder der betrügerischen Internetseite.

3

Verbraucherzentrale kontaktieren

Die Verbraucherzentrale berät kostenlos zu Rückbuchung, Widerruf und weiteren Schritten, auch dann, wenn noch unklar ist, ob überhaupt ein Betrug vorliegt.

4

Passwörter ändern und Gerät prüfen lassen

Vergeben Sie bei allen betroffenen Konten neue, individuelle Passwörter. Wurde ein Programm installiert oder Fernzugriff gewährt, lassen Sie das Gerät von einer Fachperson auf Schadsoftware prüfen.

Häufig gestellte Fragen

Woran erkenne ich, dass ich Opfer von Phishing wurde?

Typische Anzeichen sind unbekannte Abbuchungen auf dem Konto, eine Anmeldebestätigung für einen Dienst, den Sie nicht genutzt haben, oder eine Warnung Ihrer Bank zu einem ungewöhnlichen Login. Prüfen Sie in diesem Fall umgehend Ihre Kontoauszüge und ändern Sie betroffene Passwörter.

Muss ich jede verdächtige Nachricht der Polizei melden?

Nein. Eine einzelne verdächtige SMS oder E-Mail können Sie einfach löschen oder blockieren. Eine Anzeige lohnt sich, sobald tatsächlich ein Schaden entstanden ist oder Sie einer Aufforderung bereits gefolgt sind.

Bekomme ich überwiesenes Geld zurück?

Das hängt vom Einzelfall ab. Bei einer Überweisung ist eine Rückholung nur möglich, solange das Geld noch nicht abgehoben wurde. Hier zählt jede Stunde. Bei Kartenzahlungen ist eine Rückbuchung häufiger möglich. Ihre Bank und die Verbraucherzentrale beraten zu den konkreten Chancen.

Was mache ich, wenn ein Familienmitglied betroffen ist?

Handeln Sie gemeinsam und ohne Vorwürfe: Bank informieren, Anzeige erstatten, Passwörter ändern. Ein ruhiges Gespräch hilft mehr als Selbstvorwürfe. Die Maschen sind bewusst auf Täuschung ausgelegt.

Reicht ein Antiviren-Programm als Schutz aus?

Ein Antiviren-Programm schützt vor Schadsoftware, aber nicht vor allen hier beschriebenen Maschen. Phishing, Enkeltrick und Love-Scams setzen auf Täuschung, nicht auf technische Schwachstellen. Gesundes Misstrauen bleibt der wichtigste Schutz.

Fazit: Erkennen ist der beste Schutz

Die meisten Betrugsmaschen im Internet folgen einem erkennbaren Muster: Zeitdruck, eine ungewöhnliche Bitte um Geld oder Zugangsdaten, und ein Absender, der vertrauenswürdig wirken soll. Wer diese Anzeichen kennt, lässt sich seltener täuschen. Ist doch etwas passiert, helfen Bank, Polizei und Verbraucherzentrale schnell und ohne Kosten weiter.

Lip Stark

IT-Experte mit Erfahrung in Netzwerken, Windows- und Linux-Administration

Lip unterstützt seit über zehn Jahren Familien beim Einrichten neuer Geräte. Auf dein-technerd.de erklärt er Technik so, wie er sie auch den eigenen Eltern erklären würde: in Ruhe, ohne Fachjargon.

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026

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