Viele zögern, Überweisungen am Computer oder auf dem Handy zu erledigen, aus Sorge vor Betrug. Mit einigen festen Regeln ist Online-Banking sehr sicher — oft sogar sicherer als eine Überweisung auf Papier. Nach diesem Artikel kennen Sie acht klare Regeln und erkennen die wichtigsten Warnsignale auf den ersten Blick.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Technik der Banken ist stark abgesichert — die größte Gefahr sind gefälschte Nachrichten, sogenanntes Phishing.
- Ihre Bank fragt niemals nach Ihrer TAN am Telefon, per E-Mail oder per SMS-Rückruf.
- Ein starkes, einzigartiges Passwort ist genauso wichtig wie das TAN-Verfahren selbst.
- Bei Betrugsverdacht sperrt die zentrale Nummer 116 116 sofort Karten und Zugänge, unabhängig von Ihrer Bank.
- Vöchentlich einen kurzen Blick auf die Kontobewegungen zu werfen deckt Unregelmäßigkeiten frühzeitig auf.
Ist Online-Banking sicher?
Ja, Online-Banking gilt als sehr sicher. Banken verschlüsseln die Verbindung zu ihrer Internetseite und ihrer App und sichern jede Überweisung zusätzlich mit einem TAN-Verfahren (ein Verfahren, das für jede einzelne Überweisung eine einmalige Bestätigungsnummer erzeugt). Das eigentliche Risiko sitzt fast immer vor dem Bildschirm, nicht in der Technik der Bank.
Kriminelle versuchen fast ausschließlich über Phishing (gefälschte Nachrichten, die Zugangsdaten abfischen sollen) an Ihre Daten zu kommen. Sie versuchen dagegen fast nie, direkt in ein Bank-System einzubrechen — das nennt man Hacking. Einen umfassenderen Überblick über Betrug im Internet gibt unser Ratgeber Internetkriminalität.
In einem Punkt ist Online-Banking einer Papierüberweisung sogar voraus: Ein Überweisungsträger auf Papier liegt oft offen im Briefkasten oder auf dem Küchentisch, bevor er zur Bank oder Post geht. Beim Online-Banking sichern Verschlüsselung und TAN-Verfahren jede einzelne Überweisung zusätzlich ab. Wer die acht Regeln in diesem Artikel einhält, ist damit in der Praxis sehr gut geschützt.
TAN-Verfahren einfach erklärt
Eine TAN (Transaktionsnummer) bestätigt eine einzelne Überweisung und ist meist nur wenige Minuten gültig. Es gibt dafür mehrere Verfahren. Bei pushTAN erhalten Sie die Nummer direkt in einer separaten App auf dem Handy. Bei photoTAN scannen Sie mit dem Handy einen bunten Grafik-Code auf dem Bildschirm, der daraus die TAN erzeugt. Bei chipTAN erzeugt ein kleines Zusatzgerät mit Ihrer Bankkarte die TAN, unabhängig vom Handy.
Das ältere SMS-TAN-Verfahren, bei dem die Nummer per Textnachricht kommt, läuft bei den meisten Banken aus und gilt als weniger sicher. Empfehlenswert sind vor allem pushTAN und chipTAN, weil beide technisch getrennt von der eigentlichen Banking-App funktionieren.
Diese Trennung heißt Zwei-Faktor-Authentifizierung (eine Anmeldung, die zwei voneinander unabhängige Nachweise verlangt, etwa Passwort und TAN). Selbst wenn ein Betrüger Ihr Passwort erraten oder ergaunert hat, fehlt ihm ohne die zweite Bestätigung der Zugriff auf Ihr Konto. Dieses Prinzip ist der eigentliche Grund, warum das TAN-Verfahren so wirksam ist, und funktioniert bei allen genannten Varianten im Grundsatz gleich.
Viele Banking-Apps bieten zusätzlich eine Anmeldung per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung an, sogenannte biometrische Verfahren (Anmeldung anhand eines körperlichen Merkmals statt eines Passworts). Das ersetzt die TAN nicht, macht aber die tägliche Anmeldung bequemer und genauso sicher, da das Merkmal nur auf Ihrem eigenen Gerät gespeichert bleibt.
Die 8 Sicherheitsregeln
Die folgenden acht Regeln gelten unabhängig davon, bei welcher Bank Sie sind und ob Sie am Computer, Tablet oder Handy arbeiten. Wer sie einmal in seinen Alltag übernimmt, muss danach nicht mehr aktiv daran denken.
1
Adresse und App immer selbst eintippen
Geben Sie die Internetadresse Ihrer Bank immer selbst ein oder nutzen Sie ein eigenes, gespeichertes Lesezeichen. Öffnen Sie die Bank-Seite niemals über einen Link aus einer E-Mail oder SMS.
2
Starke, einzigartige Passwörter nutzen
Nutzen Sie für das Online-Banking ein Passwort, das Sie sonst nirgendwo verwenden. Ein Passwort-Manager (ein Programm, das Zugangsdaten sicher speichert und für Sie einträgt) hilft dabei, sich viele starke Passwörter nicht merken zu müssen. Mehr dazu in unserem Ratgeber Der beste Passwort-Manager.
3
TAN nie am Telefon durchgeben
Ihre Bank fragt niemals nach einer TAN am Telefon, per E-Mail oder per Rückruf. Wer danach fragt, ist niemals ein echter Bankmitarbeiter, sondern ein Betrüger.
4
Kontoauszüge wöchentlich prüfen
Schauen Sie einmal pro Woche kurz in Ihre Kontobewegungen. So fällt eine unbekannte Abbuchung schnell auf, und Sie können früh reagieren.
5
Öffentliches WLAN fürs Banking meiden
Erledigen Sie Überweisungen nicht über das offene WLAN (drahtloses Internet) in einem Café oder am Bahnhof. Nutzen Sie stattdessen Ihr Mobilfunknetz oder Ihr WLAN zu Hause.
6
Updates regelmäßig installieren
Halten Sie die Bank-App, den Browser (das Programm zum Aufrufen von Internetseiten) und Ihr Betriebssystem aktuell. Updates (Aktualisierungen) schließen bekannte Sicherheitslücken.
7
Ein Limit fürs Tagesgeschäft setzen
Legen Sie bei Ihrer Bank ein tägliches Überweisungslimit fest. So bleibt der mögliche Schaden begrenzt, selbst wenn doch einmal etwas schiefgeht.
8
Bei Anruf „Ihrer Bank“ auflegen und selbst zurückrufen
Ruft angeblich Ihre Bank an und bittet um Daten oder eine Freigabe, legen Sie auf. Rufen Sie anschließend selbst über die bekannte Telefonnummer auf Ihrer Bankkarte zurück.
Diese Warnsignale entlarven Phishing
Phishing-Nachrichten folgen oft demselben Muster, egal ob per E-Mail oder SMS. Wer die folgenden Signale kennt, erkennt die meisten Fälschungen auf einen Blick.
- Drohung und Zeitdruck: Ein Satz wie „Ihr Konto wird in 24 Stunden gesperrt“ soll Sie zu schnellem, unüberlegtem Handeln bringen. Echte Banken setzen selten so kurze Fristen.
- Komische Absenderadresse: Die E-Mail-Adresse passt beim genauen Hinsehen nicht zur echten Bank, etwa mit vertauschten Buchstaben oder einer fremden Endung.
- Fehlende persönliche Anrede: Eine E-Mail ohne Ihren Namen, nur mit „Sehr geehrter Kunde“, ist ein Warnzeichen bei einer Bank, die Sie sonst namentlich anschreibt.
- Link-Ziel prüfen: Fahren Sie am Computer mit der Maus über einen Link, ohne zu klicken. Unten im Fenster erscheint dann die tatsächliche Adresse. Stimmt sie nicht mit der echten Bank überein, ist es Betrug.
- Ungewöhnliche Sprache: Auffällige Rechtschreibfehler, eine holprige Übersetzung oder ein Satzbau, der nicht zur gewohnten Bank-Kommunikation passt, sind ein zusätzliches Warnzeichen.
Ein zusätzlicher, einfacher Test: Rufen Sie im Zweifel nicht über eine Nummer aus der verdächtigen Nachricht zurück, sondern nutzen Sie die Telefonnummer auf Ihrer Bankkarte oder aus einem echten, älteren Kontoauszug. So sprechen Sie garantiert mit der echten Bank, nicht mit den Betrügern. Ähnliche Warnsignale wie beim Phishing gelten auch für andere Betrugsmaschen, etwa den sogenannten Enkeltrick. Mehr dazu in unserem Ratgeber Enkeltrick erkennen.
Was tun bei Verdacht?
Bei Verdacht auf Betrug zählt Schnelligkeit. Rufen Sie sofort die zentrale Sperr-Notruf-Nummer 116 116 an — sie sperrt bundesweit Karten und Zugänge, unabhängig davon, bei welcher Bank Sie sind.
Erstatten Sie danach Anzeige bei der Polizei. Ändern Sie anschließend alle betroffenen Passwörter, am besten mit einem Passwort-Manager. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI, die zentrale deutsche Behörde für IT-Sicherheit) bietet auf seiner Internetseite zusätzliche, unabhängige Hinweise zum Vorgehen.
Notieren Sie sich außerdem, wann und wie der Betrugsversuch ablief, solange die Erinnerung noch frisch ist: welche Nummer angezeigt wurde, was genau gesagt oder geschrieben wurde, und ob bereits Daten weitergegeben wurden. Diese Angaben helfen sowohl der Polizei als auch Ihrer Bank, den Vorfall schnell einzuordnen. Kein Grund zur Scham, falls Sie selbst auf eine gefälschte Nachricht hereingefallen sind — die Fälschungen werden zunehmend professioneller gestaltet, und schnelles Melden begrenzt den Schaden deutlich.
Zusammengefasst: Online-Banking ist bei richtiger Nutzung eine sichere und bequeme Sache. Die Technik der Banken schützt zuverlässig im Hintergrund, solange Sie selbst wachsam bleiben, keine TAN weitergeben und bei Druck und Eile misstrauisch werden. Mit den acht Regeln aus diesem Artikel und einem kurzen Blick für die genannten Warnsignale sind Sie für die allermeisten Betrugsversuche gut gewappnet.
Häufig gestellte Fragen
Ist Online-Banking am Handy sicherer als am PC?
Beide Wege sind sicher, wenn Sie die Regeln aus diesem Artikel beachten. Eine Banking-App mit pushTAN ist gut geschützt, weil Anmeldung und Bestätigung getrennt ablaufen. Entscheidend ist weniger das Gerät als die richtige Nutzung.
Was ist sicherer: photoTAN oder pushTAN?
Beide Verfahren gelten als sicher. photoTAN erzeugt die TAN über einen gescannten Grafik-Code, pushTAN über eine separate App-Anmeldung. Wichtiger als die Wahl zwischen beiden ist, kein SMS-TAN mehr zu nutzen, sofern Ihre Bank Alternativen anbietet.
Haftet die Bank bei Betrug?
Das kommt auf den Fall an. Bei einer nicht autorisierten Abbuchung, die Sie selbst nicht freigegeben haben, haftet die Bank in der Regel. Haben Sie eine Überweisung dagegen selbst mit TAN bestätigt, etwa weil Sie getäuscht wurden, haftet die Bank meist nicht. Genau deshalb sind die acht Regeln aus diesem Artikel so wichtig.
Brauche ich ein extra Gerät fürs Banking?
Nein, ein Extra-Gerät ist nicht notwendig. Ein aktuelles Smartphone oder ein chipTAN-Generator für die TAN-Erzeugung reichen völlig aus, solange Sie die genannten Sicherheitsregeln einhalten.